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Nachbericht

In einem einheitlichen Datenpool könnten auch die unterschiedlichen Gebinde eindeutig erfasst werden (Foto: Heiko Stahl, NürnbergMesse)
11.11.2020

„Es scheitert am Vertrauen“

Artikelstammdaten | Mit einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zum Thema „Zukunftskonzept Digitalisierung“ präsentierte die Gedat Getränkedaten GmbH, Hamburg, im Rahmen der BrauBeviale Special Edition am 10. November 2020 eine Lösung für die einheitliche Erfassung von Artikelstammdaten.

Eine Diskussionsrunde, bei der sich alle einig sind … Klingt langweilig. Ist es aber nicht, wenn es um ein Projekt geht, das alle in der Getränkebranche etwas angeht und eigentlich eine Win-win-Situation ist, bei dem die Umsetzung aber seit Jahren auf der Stelle tritt.

Einheitliche Artikelstammdaten

Worum geht es? Um Artikelstammdaten, konkret um deren Strukturierung und Vereinheitlichung, damit es entlang der Supply Chain vom Hersteller zum Kunden keine Streuverluste und Sollbruchstellen mehr gibt.

Die Gedat Getränkedaten GmbH hat mit Get-Item eine Lösung für einheitliche, korrekte und aktuelle Artikelstammdaten entwickelt: eine zentrale Plattform zum Austausch von Artikelbeschreibungen, Media-, Pfand- und Logistikdaten für die gesamte Getränkebranche. In einer virtuellen Diskussionsrunde im Rahmen der BrauBeviale@stage sprachen überzeugte Kunden, Vertreter von Partnerunternehmen und Branchenverbänden am 10. November 2020 über die Vorteile einer einheitlichen Erfassung und Übermittlung von Artikelstammdaten.

Moderiert von Dr. Klaus Stadler beteiligten sich Dirk Reinsberg, BV-GFGH, Andreas Vogel, GEVA, Henning Meyer, Kontor N, Thorsten Schön, Pro Getränke GmbH, Jan Beerwerth, Krombacher, Matthias Kehl, Orgasoft, und Sven Albrecht von Gedat an dem Gespräch.

Sie waren sich alle recht einig, dass ein einheitlicher Datenpool mit einem „Artikelpass“ für jedes Produkt eigentlich längst überfällig ist. Vor allem, wenn die Getränkebranche den Big Playern des Online-Handels das Feld nicht kampflos überlassen will.

Doch woran scheitert dann die Umsetzung? Einen ersten Hinweis darauf gab Andreas Vogel von der GEVA, der die Einführung einheitlicher Artikelstammdaten in der Getränkebranche mit der Einführung des Euro in der EU verglich. Hier ging auch ein quälend langer Verhandlungsprozess voraus, bei dem alle Einzelinteressen ausgeglichen und in Einklang gebracht werden mussten.

Heterogene Strukturen in der Getränkebranche

Vor dieser Mammutaufgabe steht nun auch die Getränkebranche. Aktuell kann man sicher sein, dass es bei 100 verschiedenen GFGH auch 100 verschiedene Bezeichnungen für ein und denselben Artikel gibt. Und die Angaben werden zum Teil weiterhin händisch gepflegt. Hinzu kommen noch die rechtlichen Vorschriften.

„Wir haben sehr unterschiedliche Anforderungen aus verschiedenen Bereichen der Supply Chain“, erklärt Henning Meyer von Kontor N. „Und auch eine extrem heterogene IT-Landschaft in den einzelnen Betrieben“, gibt Matthias Kehl von Orgasoft zu bedenken. Da gibt es große GFGH und Hersteller, die bereits mit einem digitalen Pool arbeiten und viel in die Datenverarbeitung investiert haben, neben kleineren Unternehmen, die Artikelstammdaten händisch in Excel-Tabellen pflegen.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die vertrackte Situation: Eine Hotelkette fragt beim GFGH Produktinformationen zu Allergenen ab. Der GFGH kann diese aber nicht vollständig liefern, weil den Herstellern nicht klar war, warum sie in einem GFGH-Formular angeben müssen, ob das gelieferte Bier oder Wasser Spuren von Fisch enthalten kann. Nun wäre es nicht schwer für den GFGH, diese offensichtlichen Informationen nachzupflegen, das ist aber datenschutzrechtlich nicht erlaubt. Damit muss der GFGH zurück zu jedem einzelnen Hersteller und die Allergen-Angaben abfragen, bevor er die Hotelkette aus seinem Bestand beliefern kann. Mit Nachteilen für Hersteller, GFGH und Gastronomie …

„Die Hersteller sind bei der Datenqualität in der Pflicht“, bestätigt Jan Beerwerth von Krombacher, „aber wir müssen auch wissen, welche Informationen benötigt werden.“

„Erfasst werden sollten die gesetzlichen und die logistischen Rahmendaten sowie einheitliche Marketinginformationen inklusive der Bildrechte an den Produktfotos“, betont Andreas Vogel. „Get-Item kann das alles erfassen, unser Artikelstammdatenportal enthält 170 Felder, die alle diese Informationen abdecken“, so Albrecht. „Ausfüllen müssen es aber die Hersteller.“

Fehlendes Vertrauen

Warum haben sich nicht schon längst alle Hersteller und GFGH auf das System geeinigt, wenn es alle Anforderungen abdeckt und sowohl technische als auch organisatorische Hürden bewältigen kann?

Sogar auf eine Kostenteilung hat man sich laut Jan Beerwerth schon geeinigt. „Momentan scheitert es am Vertrauen“, diagnostiziert Andreas Vogel. „Neutralität ist der Schlüssel zur Lösung dieses Problems.“ Dem stimmt auch Thorsten Schön von Pro Getränke zu: „Ja, es scheitert am Vertrauen. Wir mappen uns stattdessen weiterhin zu Tode, aber das kann doch nicht die Lösung sein.“

Denn auch bei diesem Thema ist es wie immer: Wenn die großen Hersteller und GFGH nichts tun und ihr eigenes Süppchen kochen, heißt es: ‚Wenn die Großen nicht mitmachen, braucht man es gar nicht versuchen.‘ Und wenn die Big Player vorangehen und auf eine Lösung setzen, dann haben die Kleinen Vorbehalte, weil sie Angst vor der Marktmacht der Großen haben.

Da muss also noch viel Überzeugungsarbeit von der Gedat geleistet und viel Vertrauen hergestellt werden von den überzeugten Unternehmen, die schon an Bord sind. „Wir haben es bisher versäumt, uns in der Branche zu einigen“, bedauert Dirk Reinsberg, BV-GFGH. „Von einheitlichen Stammdaten profitieren aber alle – groß wie klein! Das ist eine einmalige Chance, die wir unbedingt nutzen sollten!“