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Aus- und Weiterbildung

05.08.2016

Sprung in die Selbstständigkeit

Vor drei Jahren stellten sich die ersten Kandidaten dem Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel (IGL) an der Studienfakultät Brau- und Lebensmitteltechnologie (SFBL) der TU München-Weihenstephan. Die rege Teilnahme und die Qualität der Produkte zeichnen den Erfolg des Wettbewerbs aus. Aber zählt das auch für die Kandidaten? Haben Sie den Schritt in die Selbständigkeit gewagt oder war die Teilnahme am IGL ein einmaliges Erfolgserlebnis?

Die Bilanz des IGL kann sich sehen lassen. Fünf Unternehmensgründungen gehen aus Runde 2 (2014) und Runde 3 (2015) hervor. Allen voran Babo Blue. Die Sieger der 2. Runde des Innovationswettbewerbes überzeugten die Jury mit ihrem blauen Kölschmix mit Beerengeschmack und ihrer rundum gelungenen Marketingstrategie. Dass nicht nur den Siegern das Glück beim Sprung in die Selbständigkeit hold ist, zeigt das Fazit aus Runde 3: Isarkindl und Yankee & Kraut demonstrieren, wie man auch ohne Sieg gewinnen kann. Die zwei Teams waren Teilnehmer der IGL-Runde 2015 und haben heute beide ein eigenes Unternehmen.

Das Team Black Brewing Project, Gewinner der Kategorie Biermischgetränke 2015, setzte mit Rubin Royal ebenfalls eine Geschäftsidee erfolgreich in die Praxis um. Das obergärige Starkbier mit Fruchtwein kann man seit dem Frühjahr 2016 online auf www.rubinroyal.de bestellen oder direkt im Einzelhandel erwerben. Cerevisium 1516, Sieger in der Kategorie Bier, ist ein weiteres Start-Up der IGL-Erfolgsserie.

Bereits 400000 Flaschen produziert

Die Mitglieder von Babo Blue Beverages entschieden sich nach dem erfolgreichen Start ihres Unternehmens für eine mehrmonatige Pause, um ihr Studium zu beenden. Diese Entscheidung ist den Jungbrauern nicht leicht gefallen, der Studienabschluss war ihnen aber letztendlich wichtiger. Und das Warten hat sich gelohnt, wie das Team im Gespräch mit Matthias Ebner, Organisator des IGL an der Studienfakultät Brau- und Lebensmitteltechnologie, erzählt: „Im April 2016 haben wir dann zum ersten Mal wieder neu abgefüllt und der anfänglichen Skepsis wich die Erleichterung. Sowohl bei den Endkunden als auch im Handel stieß unser blauer Biermix nach wie vor auf reges Interesse und der erste Sud verkaufte sich sogar schneller als in unserer Jahresplanung erwartet. Seit der Gründung von Babo Blue Beverages im Frühjahr 2015 wurden ca. 400000 Flaschen produziert. Momentan arbeiten wir daran, unser Händlernetzwerk stetig zu erweitern und konnten außerhalb Bayerns, beispielsweise in Hamburg, Fuß fassen.“ Mit neuem Flaschendesign und Maskottchen – der Babo Bär – setzen die Jungunternehmer ihre Erfolgsgeschichte fort.

Direktvertrieb als Schlüssel zum Erfolg

In der Kategorie Bier trat das Team Isarkindl 2015 mit dem Single-Brett-Bier Schmankerl an. Ein Märzen, vergoren ausschließlich durch Brettanomyces-Kulturen. Den Gruppensieg holten sie sich zwar nicht, das ließ Isarkindl jedoch nicht davon abhalten, sich selbständig zu machen. „Erst durch den IGL entstand die Möglichkeit, die Perspektive und der Antrieb, vom Studentenstatus in die Selbständigkeit zu kommen“, so Isarkindl Gründer Xaver Amler. Der angehende Betriebswirt Rainer Pieknik hat frühzeitig mit seinem Team über mögliche Rechtsformen gesprochen und mit Unterstützung ihrer Familien wagten sie schließlich die Unternehmensgründung. Inzwischen haben sie ein ganzes Sortiment auf den Markt gebracht: ein hopfig-fruchtiges Märzen in der 0,33er-Euro-Flasche, das Isarkindl Schmankerl sowie ein leicht herberes Isarkindl Lager Hell. Eine Herausforderung zeigte sich im Aufbau des Vertriebsnetzes. Zunächst wollte das Team seine Biere über einen Großhändler vermarkten, dieser sagte jedoch eine Woche vor der Abfüllung ab. Für Isarkindl bedeutete dies: Direktvertrieb. Im Nachhinein stellte sich diese ungewollte Planänderung als sehr positiv heraus. Durch den Direktvertrieb entstand ein sehr enger Kontakt zu den Kunden. Das Resultat kann sich sehen lassen: nach drei Wochen hatte Isarkindl ca. 45 hl Bier verkauft. Bis heute sind es stolze 240 hl. „Flexibel muss man sein, wenn man ein Unternehmen startet“, kommentiert Amler.

Crowdfunding

Das Team Alkimisten setzte sich in Runde 3 in der Kategorie Bier gegen die starke Konkurrenz durch. Mit ihrem Cerevisium 1516 kreierten die Studenten Daniel Martin, Taesoon Jang, Donatus Duran-Perez und Stefan Hör ein extravagantes Bier, bei dem das Champagner-Verfahren zur Anwendung kommt. Bereits während des ersten IGL-Seminars haben die Alkimisten ihr Unternehmen gegründet. „Wir waren uns einfach sicher, dass wir mit Cerevisium weiter machen“, berichtet Daniel Martin.

Bevor es dann richtig losging, benötigten sie zunächst Geld. Mit einer Crowdfunding-Aktion erzielten die vier Jungunternehmer insgesamt 10 703 Euro, die sie in den Erwerb der, für ihr Champagner-Verfahren, dringend benötigten Rüttelpulte investierten. Kurz darauf wurde eine weitere Kleinstcharge, der Sud°1, gebraut. Seit Ende Mai 2016 kann das Ergebnis getestet werden. Neben dem Brauen hatte Cerevisium allerhand zu tun: viel Organisatorisches, aber vor allem der Aufbau eines Geschäftsplans stand ganz oben auf ihrer Agenda. Im März diesen Jahres konnten sie die erste, größere Charge (ca. 3200 Flaschen) Cerevisium 1516 produzieren, die nun hoffnungsvoll in einem alten Freisinger Bierkeller reifen darf und ab November dieses Jahres in die Läden kommt. Erst die nötige Lagerzeit von mindestens sechs Monaten, in der das Bier in der Flasche mit Hefekontakt reifen kann, verleiht Cerevisium 1516 den einzigartigen Geschmack. Momentan planen sie ihren „richtigen“ Markteintritt und kümmern sich um die weitere Finanzierung des Unternehmens. Darüber hinaus suchen sie nach geeigneten Betriebsräumlichkeiten in Freising und Umgebung. Im Juni konnten sie dann auch endlich wieder einmal brauen. In der Forschungsbrauerei der TUM in Weihenstephan durften sie ihren vom IGL und BGT gesponserten Siegersud einbrauen.

Die Firmengründungen sind nicht nur Beleg für die Erfolgsgeschichte des IGL. Mit ihrer Teilnahme beweisen die Kandidaten viel Engagement, Know-how, Leidenschaft und Mut. Bleibt abzuwarten, was sich die Teilnehmer der vierten Runde des IGL einfallen lassen. Am 14.9.2016 steht die Vorrundenverkostung auf dem Programm – es bleibt spannend.

Quelle: Weihenstephaner, Nr. 3, 2016.