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21.07.2020

Flaschenbier gewinnt, Fassbier verliert

Veltins | In ihrer ersten Halbjahresbilanz 2020 geht die Brauerei C. & A. Veltins von einer unverändert fordernden Marktlage aus und bilanziert mit einem Ausstoß von 1,5 Mio hl (–4,5 %) fassbierbedingte Verluste.

„Die Gastronomie leidet unter der Last von Lockdown und der Reglementierungen – und wir leiden mit“, sagt Veltins-Generalbevollmächtigter Michael Huber. Während das Fassbiergeschäft erst seit Juni wieder anläuft, konnten während des zweiten Quartals die Flaschenbierabsätze bei Veltins Pilsener zweistellig wachsen (+10,1%). Erfreulich für Veltins auch die Einführung des „Hellen Pülleken“, dessen Botschaft eines unbeschwerten Biergenusses bei den Konsumenten anscheinend angekommen ist. Veltins rechnet für 2020 mit einem Gesamtmarktverlust von 6 Mio hl. In frühestens 30 Monaten seien die belastenden Turbulenzen in der Brauwirtschaft überwunden.

Erschwertes Alltagsgeschäft

Hauptleidtragende der Krise bleibt die Gastronomie, die Fassbierabsätze lagen im ersten Halbjahr bei etwas über 90 000  hl, das sind mehr als 140 000  hl (–61,2 %) unter dem Vorjahresvolumen. „Wir sehen in der Gastronomie eine durchaus heterogene Entwicklung, weil sich jetzt Standort-, Konzept- und Managementqualitäten unterschiedlich auswirken“, so Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb. Während es für die Gastronomie auf absehbare Zeit unwägbar bleibe, konzentrierten sich die Hoffnungen auf das nächste Jahr. „Die Menschen haben unverändert Lust auf Gastronomie und wissen das später wieder unbeschwerte Genusserlebnis mit Menschen ringsherum auch weiterhin zu schätzen – gerade nach Corona-Zeiten!“, so Dr. Kuhl weiter.

Dass gerade starke, verbraucherakzeptierte Marken in Krisenzeiten Vertrauen schaffen und ihre Kraft entwickeln können, zeigt die Entwicklung von Grevensteiner. Obwohl dort das Fassbiervolumen um –45,5 Prozent unter dem Vorjahr lag, geht die Biermarke mit 122 550  hl (–2,8 %) vergleichsweise unbeeindruckt in die zweite Jahreshälfte. Und selbst die stark an Events gekoppelte Biermix-Marke V+ verzeichnete mit –4,0 Prozent einen überschaubaren Rückgang. „Wir erleben im Einkaufsverhalten eine verlässliche Konsumstimmung, was gerade jetzt Grund zu berechtigtem Optimismus ist“, so Dr. Kuhl. Der Handel habe einen relevanten, auch impulsgebenden Beitrag dazu geleistet, dass die Menschen ihre Lust aufs Bier zu keiner Zeit verloren haben.

Unverändert stabil und ertragsstark aufgestellt

Michael Huber sieht für eine Schwarzmalerei, die selbst im Premium-Umfeld zu beobachten sei, keinen Grund. „Wer jetzt mit der Marktlage hadert, wird nicht dem Biermarkt, sondern sich selbst zum Opfer fallen“, so Huber wörtlich. Die strukturellen Schwächen der Brauwirtschaft werden nach Einschätzung des Generalbevollmächtigten in den nächsten Jahren stärker zu Tage treten, weil Hilfsmaßnahmen wie Steuerstundungen zwar bei den Symptomen, nicht aber bei den Ursachen abhälfen. Viele Brauereien litten unter einer geringen Eigenkapitalquote, großem Investitionsstau und mangelnder Liquidität. Michael Huber: „Die Brauerei C. & A. Veltins sieht sich unverändert stabil und ertragsstark aufgestellt, um nach der Pandemie schnell zum sorgenfreien Alltagsgeschäft zurückzukehren. So werden alle Investitionen in Unternehmen und Markt unverändert fortgesetzt, lediglich im Marketing mussten Promotionsmaßnahmen aufgrund der Reglementierungen ersatzlos gestrichen werden.“